Ardecker Mühle
Landesherrlicher Besitz war zeitweise auch die Ardecker Mühle.Es heißt 1710 Nikolaus Müller habe diese vor ungefähr 20 Jahren gebaut. Sie war jedoch noch unbrauchbar, als der Limburger Bürger und Handelsmann Friedrich Rath sie 1704 erwarb und mit hohen Kosten ausbaute. Er zahlte seit 1705 die zwei Malter Korn Wasserlaufpacht von dieser Mühle nach Diez.

Die Fürstin Witwe Amalie von Nassau-Diez ließ schon 1709 durch ihren

Hoffaktor Löw Heimann die Mühle einziehen. Die herrschaftliche Ardecker Mahlmühle war seitdem jeweils auf Zeit verpachtet, bis sie 1784 dem Diezer Handelsmann Friedrich Kasimir Herborn überlassen wurde, der an ihrer Stelle einen Reckhammer einrichtete.

Er wollte hier mit Saarbrücker Kohlen Eisen aus Siegen, Dillenburg oder Löhnberg verarbeiten und stellte 1786 allerlei größere und kleinere Eisenwaren, Fassreifen, Grab- und „Scheppschippen“ und sonstige Artikel nach Modell her.

Herborn verkaufte 1807 seinen Reckhammer zu Ardeck, weil dieser ihm keinen Ertrag mehr brachte, an den Müller Philipp Hofmann aus Burgschwalbach, der wieder eine Mahlmühle hier einrichtete. (Dr. Gensicke, Wiesbaden)

Das Mühlenliedchen

das Mühlenliedchen

das Mühlenliedchen

2. Do stieht de Willi vier de Dier unn singt de Marie e Liedche vier – fideralala – usw….

3. Die Marie stieht em Rummel-Stall unn sääd, sen doß die Rummel all? – fideralala – usw.

Pächter und Besitzer der Mühle:

1689 erbaut als Privatmühle von Nikolaus Müller

1704 erwirbt sie der Limburger Handelsmann Friedrich Rath und baut sie aus; zahlt 1705 zwei Malter Wasserlaufpacht.

1709 durch die Diezer Herrschaft eingezogen und als herrschaftliche Mahlmühle auf Zeit verpachtet. Häufiger Pächterwechsel

1712 Johann Wolf Klein, herrschaftlicher Müller zu Ardeck

1716 noch Wolf Klein als Müller.
Die Mühle hatte einen Gang (Wiesbaden 171 D 12) und (Wiesbaden 171 A 54)
Pachtsteigerung: Der Müller Klein hatte seither auf die Ardecker Mühle 15 Malter Korn zu entrichten. Die Pacht wird auf 27 Malter Korn und ein Schwein erhöht. Die Mühle hat 61 Mahlgeste. Zu mahlen 610 Malter Korn, 9 Malter Weizen und 21 Malter Malz.

1716 Mühle an David Hatzmann verpachtet fuer 28 Malter 1V2 Simmern Korn mit Einfahrt nach Diez (Wiesb. 172 Nr. 1148)

1721 Johann Georg Jonas aus Flacht, Müller zu Ardeck

1738 Johannes Reichel aus Ohren, Müller zu Ardeck

1761 Mühlenbeständer Johann Wilhelm Butzbach (hat Mauer um die Mühle gebaut).

1767 Andreas Koch Mühlenbeständer (erneut 1769/1773) (Wiesb. 172. Nr. 2050) (Wiesb. 179 Nr. 919)

1771 Müller Rehe

1778 Mühlenbeständer Philipp Greb
(Mühle schlecht, da kein Bannwerk, nur Einfahrt) (Wiesb. 172 Nr. 2050)
(Bannmühle: Die Bauern mussten nach dieser Mühle ihre Frucht zum Mahlen hinliefern. Sie waren „gebannt“ (festgelegt). Die Ardeckmüller mussten in die zugewiesenen Dörfer einfahren und die Frucht selber herbei holen)

1784 Ardecker Müller zieht auf Burgmühle nach Hahnstätten, verkauft Mühlengeschirr

1784 wird die Mühle vom Diezer Handelsmann Friedrich Kasimir Herborn erworben.

Reckhammer (Eisenhammer) Name: Hammermühle

1807 von Herborn an den Müller Philipp Hofmann aus Burgschwalbach verkauft;

wieder zur Mahlmühle umgebaut.

1812 Johannes Hatzmann kauft die Mühle als Mahlmühle (geb. 1796)

1859 Philipp Jakob Hatzmann (Jan.-Mai)

1859 Karl Hatzmann

1880 Friedrich Wilhelm Hatzmann, gest. 1924

1892 Wilhelm Hatzmann (1892-1968)

Nach dem Gewerbesteuer-Kataster von 1828: Mahlmühle mit einem Gang über 8 Monate, einen Rollgang mit demselben Rade betrieben, dessen Betriebszeit unter den oben bemerkten angerechnet worden ist. Oelmühle mit einem Rade bis 9 Monat. Mit 5 Gulden lag der Müller Johannes Hatzmann damals an zweiter Stelle im Gewerbesteueraufkommen der Gemeinde Holzheim!Im Brandsteuerkataster für das Dorf Holzheim von 1832 finden wir folgende Angaben:Ein einstöckiges Haus in mittlerem Stand mit Stroh gedeckt, eine einstöckige Mehlmühle, das ganze Stock von Mauer gebaut, das Dach mit Ziegel bedeckt, ein Stall in mittlerem Stand, aus Holz gebaut, mit Ziegel gedeckt, ein Stall in schlechtem Stand, von Holz gebaut, mit Stroh gedeckt.

Die Ardecker Mühle kann als Typus der damaligen Mühlen gelten:

Der untere Stock bot Raum für eine Wohnstube und eine Küche, denen in der oberen Etage eine gleichgroße Stube und zwei kleine Kammern sowie eine dritte über dem Hausflur entsprachen.

Durch eine Tuer gelangte man in den Mühlenraum. Dieser war für einen Gang eingerichtet und hatte einen Ausgang in den Hof. Der Mahlgang stand auf einer „Bühne“, zu der eine Treppe führte. Die Mahleinrichtung war anfangs recht primitiv. Das Mahlgut wurde durch Sieb und Wanne gereinigt, lief durch einen Trichter auf den Stein, wurde zerrieben und gesiebt. Dann wurde es nach oben getragen und erneut in den Trichter gegeben, bis es zu Mehl und Kleie verarbeitet war.

Entsprechend der einfachen Mühleinrichtung war auch die Leistung gering. Wohn- und Mühlengebäude lagen in einem allseits eingeschlossenen Hof.

1844 ist vermerkt: Haus, Mahl- und Ölmühle, 2 Ställe, Scheune, Schuppen.

Mit Johannes Hatzmann, von dem wir das genaue Datum der Ãœbernahme nicht kennen, aber ein Eintrag im Kirchenbuch zu Flacht besagt, dass am 6. Okt. 1814 „Johannes Hatzmann vom Ardecker Hammer, Sohn des verstürbenen Mahlmüllers Johannes Hatzmann, mit Maria Elisabeth von der Hausens Mühle copuliert“ wurde, ist die Mühle Eigentum dieser Familie.

Vergilbte Blätter eines noch erhaltenen Tagebuchs, das Johannes Hatzmann 1814 anlegte und 1840 mit zittriger Hand noch führte als „Wareneingangs- und Warenausgangsbuch „, geben uns einen Einblick in die damaligen Lebensgewohnheiten und sozialen Verhältnisse.

Mit Fleiß und Zähigkeit wurde die Mühle erweitert und erneuert, denn viele Notizen finden wir über Entlohnung von Handwerkern. Auch Schuster-, Schneider- und Schmiederechnungen sind aufgeführt in allen Einzelheiten wie auch deren Begleichung.

Um 1819 erhielt Joh. Hatzmann die Erlaubnis, eine Zapfwirtschaft zu betreiben und eine Kegelbahn einzurichten. Der Antrag auf Errichtung eines zweiten Mahlganges wurde ihm 1820 abschläglich beschieden, jedoch erhielt er die Genehmigung, im Jahre darauf eine Ölmühle zu betreiben. Von einem Holzrad, das vom Wasserrad angetrieben wurde, wurden zwei Holzschlaeger in Bewegung gesetzt und der gemahlene Ölsamen solange gehämmert, bis kein Oel mehr herauskam. Der Ölkuchen war dann ein wertvolles Viehfutter, denn die Ölausbeute war gering, so dass der Ölkuchen einen hohen Fettgehalt hatte.

Knechte und Mägde hatte der Ardeckmüller von nun an immer. Esel schleppten die Säcke in die Dörfer und zur Mühle. 1850 waren noch 2 Esel in den Ställen. Der Weizenanbau war in der „Goldenen Grafschaft“ schon immer beträchtlich. Während das Weißmehl in Pfunden abgegeben wurde, ist das Brotmehl in Simmern gemessen. Daneben gibt es Krütz (Grieß), Kuchen (Ölkuchen) und viele Kunden, die schroten ließen.Keine Zeit des Wohlstands damals!Viele hungrige „Mäuler“ zu Hause und karge Tagelöhnerverdienste zwangen viele, den Müller um einige Pfund Mehl, Krütz oder Schrot zu bitten, um nach einiger Zeit die Schulden zu begleichen.

1961 wurde eine neue Ölmuehle eingebaut, 1894 das Wohnhaus errichtet und 1895 die Mahlmühle umgebaut.

1904 brannte eine Scheune ab, die nicht mehr errichtet wurde.

1913 wurden die beiden Wasserräder durch eine Turbine ersetzt, 1917 bekam die Muehle eine moderne Ölpresse anstelle der alten Vorrichtung, mit der man jahrzehntelang Öl geschlagen hatte. Der letzte Müller der Ardecker Mühle war Wilhelm Hatzmann, geb. 1892, gest. 1968. Während der beiden Weltkriege konnte er mit seiner Ölpresse vielen Leuten aus der ganzen Umgegend einen guten Dienst erweisen. Nach dem Ersten Weltkrieg betrieb er nur noch Lohnschroterei, da die Mühle in ihrer Anlage als Mahlmühle nicht mehr konkurrenzfähig war.

Als die Bauern eigene Schrotmühlen vermehrt aufzustellen begannen, gingen die Aufträge immer mehr zurück. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er denn seit 1964 seinem Beruf nicht mehr nachgehen. So wurde die Mühle 1964 stillgelegt und erlitt das gleiche Schicksal wie so viele andere Mühlen im Aartal.

Aber noch stehen sie in guter Nachbarschaft:

Ardeck und Ardecker Muehle, Zeugen vergangener Zeiten.

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